Vor Ort in Ghana: Ein richtiger Weg für Palmöl


Ein Besuch von Eva Kiene bei HAND IN HAND-Partner Serendipalm in Ghana

[07/16] Glückliche Menschen, üppige Dschungellandschaft, Vielfalt statt Monokultur: so sieht echt nachhaltige Erzeugung von Palmöl aus. Fairer Handel und ökologischer Anbau machen es möglich. Ein Besuch beim HAND IN HAND-Partner Serendipalm in Ghana – ein Vorzeigeprojekt.
Ganz schön schwer: Eva Kiene versucht sich mit der in Afrika üblichen Transportmethode.
Ganz schön schwer: Eva Kiene versucht sich mit der in Afrika üblichen Transportmethode.

Fruchtbarer Weg durch den Ölpalmenhain



Grün in allen Schattierungen, dichtes Blätterwerk, Schmetterlinge flattern durch die Luft, vielstimmiges Gezwitscher – in dem grünen Dickicht sind die Vögel jedoch kaum auszumachen.

Mit einer Machete bahnt uns Bio-Bauer Kwadwo Nkrumah einen Weg durch seinen Ölpalmenhain. Dazwischen wachsen Ananasstauden. Die hatte er zusammen mit den Ölpalmen gepflanzt. Jetzt sind sie eine willkommene Wegverpflegung für die Ernteteams.
Der Boden ist offensichtlich sehr fruchtbar. Vor vielen Jahren hat Kwadwo seinen Ölpalmenhain auf Bio umgestellt. Durch diese Umstellung hat sich für ihn die Arbeit verändert, ist auch mehr geworden. Denn im Bio-Anbau fördert Kwadwo aktiv die Bodenfruchtbarkeit.

So düngt er den Boden mit den Resten aus der Ölproduktion, zum Beispiel mit leeren Palmbüscheln. Diese Arbeit trägt Früchte, nicht nur auf den Bäumen: „Seit ich auf Bio umgestellt habe, beobachte ich viel mehr Tiere im Palmenhain wie Insekten, Vögel und Schlangen“, berichtet Kwadwo Nkrumah.

Ernte ist harte Handarbeit


Rebecca Afrah Arbeiterin bei Serendipalm
Auch wenn der Bio-Anbau aufwendig ist, lohnt es sich für ihn: Für seine Palmfrüchte erhält Kwadwo einen fairen Preis, der deutlich über dem Marktniveau inklusive Bio- und Fair-Trade-Prämie liegt. Was für ihn aber ebenso wichtig ist: Er weiß, dass seine Ernte korrekt gewogen wird, das Geld pünktlich und zuverlässig gezahlt wird. Das hat er früher häufig anders erlebt, als er seine Früchte an die lokalen Ölmühlen verkaufte. Außerdem schätzt Kwadwo, dass ihn die Agraringenieure von Serendipalm unterstützen und beraten. 
Bei der Ernte ist der für ihn zuständige Agraringenieur Dominic Yaw Preko mit auf dem Feld, prüft die Qualität der Früchte und dokumentiert alles Wichtige auf seinem Tablet.

Die Ernte ist anspruchsvoll, sie erfordert Geschick und Kraft. Wichtigstes Werkzeug ist ein scharfes Langmesser, das an einer Bambusstange befestigt ist. Damit schlägt der Bauer zunächst die unteren Palmwedel ab, um an die reifen, orangefarbenen Fruchtbündel zu kommen. Die abgeschlagenen Palmwedel bedecken den Boden. Sie federn den Aufprall der Fruchtbüschel ab.
In großen Kesseln werden die Palmfrüchte über Wasserdampf weichgedämpft.
Nun kommen die Erntehelfer zum Einsatz: Daniel Ampofo sammelt die losen Früchte auf. Die Palmbüschel trägt er zu Yaa Owusua, die sie in einen Korb legt. Ist der Korb mit drei oder vier Fruchtbüscheln gefüllt, bringt Yaa diesen zur Sammelstelle. Wie in Afrika üblich, transportiert sie den schweren Behälter auf ihrem Kopf, freihändig – nahezu unvorstellbar für uns.

Kwadwo Nkrumah ist einer der knapp 500 Bauern, die Bio-Palmfrüchte für Serendipalm anbauen. Einige Bauern sind gerade in der Umstellphase, sodass die Agraringenieure aktuell 635 Bauern beraten.

Faire Arbeitsbedingungen geben Sicherheit


Wenn die Palmbüschel geerntet sind, holt Serendipalm sie mit eigenen Traktoren ab. Bei Serendipalm geht es zunächst auf eine Waage. Nach dem Wiegen entladen Angestellte der Fabrik den Hänger und bringen die Fruchtbüschel in die Halle. Dort schlagen die Arbeiter mit einer Axt die Früchte von den Bündeln.

Die leeren Büschel werden auf einem Hänger gesammelt, sie dienen als wertvoller Dünger. Im größeren Teil der Halle sitzen Frauen im Kreis, jeweils in Gruppen von zehn bis fünfzehn. Jede von ihnen hat eine Schale mit Fruchtbüscheln vor sich. Mit sicherem Griff pflücken sie die Früchte ab und reinigen sie dabei. Achten darauf, ob die Früchte einwandfrei sind.
Für eine gute Qualität des Öls kommen nur die guten Früchte in große Metallschüsseln. Angeschlagene Früchte werden zu den leeren Fruchtbüscheln geworfen und dienen als Dünger. Manche Arbeiterinnen arbeiten unglaublich flink, andere lassen sich beim Reinigen der Früchte mehr Zeit.

Eines haben sie jedoch gemeinsam: Die Frauen haben hier eine sichere und zuverlässige Einkommensmöglichkeit gefunden – die sie ohne Serendipalm nicht hätten. Die meisten von ihnen haben keine Ausbildung. Und in der abgelegenen Region gibt es sonst kaum Arbeit. Die Älteren arbeiten vielleicht etwas langsamer. Aber diese Arbeit gibt ihnen Sicherheit für das Alter: Hier sind sie sozialversichert und erhalten später eine Rente.
Juliet Brantson und ihr Küchenteam kochen jeden Tag für alle Arbeiterinnen und Angestellten.
Juliet Brantson und ihr Küchenteam kochen jeden Tag für alle Arbeiterinnen und Angestellten.

Sicherer und fairer Lohn für alle


Die Arbeiterinnen erhalten regelmäßig ihren Lohn und quittieren dies mit ihrem Fingerabdruck
Die Arbeiterinnen erhalten regelmäßig ihren Lohn und quittieren dies mit ihrem Fingerabdruck
Jeden Abend erhalten die Arbeiterinnen ihr Geld, abhängig von der verarbeiteten Menge. Der Arbeitslohn liegt deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn. Und die Sozialleistungen übersteigen deutlich die landesüblichen Standards. So erhalten alle Arbeiter und Angestellten Lohnfortzahlung bei Krankheit und im Mutterschutz, außerdem dürfen sie sich über Oster- und Weihnachtsgeld freuen. Mittags gibt es ein kostenloses Essen, das von einem Küchenteam immer frisch zubereitet wird. Meist ist die Portion so groß, dass die Frauen noch etwas mit nach Hause bringen.

Wenn man die Frauen fragt, was ihnen am wichtigsten ist, erhalte ich fast immer die gleiche Antwort: Mithilfe ihres Verdienstes können ihre Kinder eine gute Schule besuchen. Denn allen ist klar, dass eine gute Bildung der Schlüssel für eine gesicherte Zukunft ist.
Nach dem Reinigen und Abpflücken von den Fruchtbüscheln kommen die Früchte in die direkt nebenan gelegene Ölmühle. Zunächst werden die Früchte im Wasserdampf gedämpft, bevor das ölhaltige Fruchtfleisch von den Fasern und Kernen getrennt wird.

​Anschließend wird es nochmals für zwei bis drei Stunden gekocht, damit der wässrige Anteil vom Öl getrennt werden kann. Für diesen Arbeitsschritt sind meist Frauen zuständig: Dieser Prozess braucht Zeit und viel Feingefühl – und dafür seien die Frauen geschickter. In der Ölmühle arbeiten Festangestellte mit viel Erfahrung. Auch sie profitieren von den besonderen Sozialleistungen ihres Arbeitgebers.

Jeder ist engagiert dabei


Was mir überall auffällt: Jeder ist mit Engagement bei seiner Arbeit, fühlt sich offenbar richtig am Platz. Das führt dazu, dass die Prozesse auch immer wieder optimiert werden, weil die Mitarbeiter Ideen für Verbesserungen sehen und auch einbringen können. Die angenehme und freundliche Arbeitsatmosphäre ist spürbar.

Das faire Bio-Projekt wirkt aber auch über den Betrieb hinaus, die positiven Auswirkungen sind in der gesamten Region zu sehen. Zum einen profi tieren sehr viele Familien direkt von den fairen Bedingungen: Sichere Arbeitsplätze sowie eine verlässlichen Partner für die Bauern mit garantierter Abnahme der Ernte schaffen ein gutes Einkommen und eine sichere Zukunft.
Zum anderen kommen die HAND IN HAND-Prämien, die Rapunzel zuzüglich zur Bio-Prämie zahlt, der gesamten Region zugute. Das Fair-Trade-Komitee aus Vertretern der Bauern, Angestellten und Arbeiter beschließt gemeinsam, wo und wie diese Gelder zum Einsatz kommen.

Manchmal sind das ganz kleine Projekte, die jedoch den Alltag wesentlich erleichtern. Zum Beispiel ein Boot in Kukubi. Denn der Weg der Bauern von ihren Höfen zum Dorf führt über einen Fluss, der bei Hochwasser nahezu unüberwindbar war. Nun bringt ein Fährmann die Menschen sicher über das Wasser.
Dieses Boot, finanziert durch Fair-Trade-Prämien, bringt die Bauern von ihren Höfen zum Dorf.
Dieses Boot, finanziert durch Fair-Trade-Prämien, bringt die Bauern von ihren Höfen zum Dorf.

Bildung bedeutet Zukunft


Andere Projekte kosten wesentlich mehr, wie das im Nachbarort Abaam neu eröffnete ITC Centre, Zentrum für Information, Kommunikation und Technologie. Bei der feierlichen Einweihung durfte ich als Ehrengast mit dabei sein - ein bewegendes Erlebnis. Nun verbessert dieses Zentrum mit zehn Computerarbeitsplätzen und Platz für eine Bibliothek das Bildungsangebot in der Region. Bisher steht im neuen Gebäude noch ein leeres Bücherregal. Der Zeremonienmeister sorgt bei der Einweihungsfeier jedoch sehr geschickt dafür, dass es nicht dabei bleibt. 
Mit heiterem Singsang fordert er die Ehrengäste – überaus erfolgreich - zu Spenden auf. Damit sollen Bücher und weitere Computer angeschafft werden. Das Bildungszentrum steht vor allem den Schülern der Region zur Verfügung, aber auch Erwachsene haben so Zugang zu Computern und Lehrbüchern.

Serendipalm ist nicht einfach ein guter Arbeitgeber, ein Fair-Handels-Projekt oder eine Ölmühle. Dieser HAND IN HAND-Partner bedeutet für viele aus der Region um Asuom in Ghana eine sichere und gesunde Zukunft. Damit sie auch künftig ein gutes Auskommen haben.
Finanziert durch die Fair-Trade-Prämie: Das ITC Centre mit Computern ist ein wichtiger Beitrag für die zukunftstragende Bildung der nächsten Generation. Denn Bildung gilt als Schlüssel für eine bessere Zukunft des Landes
Finanziert durch die Fair-Trade-Prämie: Das ITC Centre mit Computern ist ein wichtiger Beitrag für die zukunftstragende Bildung der nächsten Generation. Denn Bildung gilt als Schlüssel für eine bessere Zukunft des Landes
RAPUNZEL NATURKOST GmbH
Rapunzelstraße 1, D - 87764 Legau
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