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Vor Ort in Ecuador: Ein richtiger Weg für Palmöl


Ein Reisebericht von Andreas Wenning, Rapunzel Geschäftsführer

Das Thema Palmöl erhitzt die Gemüter, meist zu Recht. Verheerende Brandrodungen in Indonesien und anderen Regionen Asiens scheinen den skandalösen Medienberichten zum Palmanbau Recht zu geben: Auf der ganzen Welt kann ein sozial- und umweltverträglicher Palmanbau keinesfalls möglich sein! Nirgendwo auf dieser Welt? Doch. Es gibt Ausnahmen - beispielsweise die beiden HAND IN HAND Projekte von Rapunzel Naturkost, aus denen das Öl für Rapunzel Produkte kommt. Eines davon ist der ecuadorianische Lieferant Natural Habitats.
Palmöl wird aus dem leuchtend-orangen Fruchtfleisch gewonnen
Palmöl wird aus dem leuchtend-orangen Fruchtfleisch gewonnen

Zu Besuch Bei unserem Fair-Bio-Palmöl-Partner Natural Habitats


Wir landen in Quito, der Hauptstadt Ecuadors auf 2800m Höhe. Der Sitz der Landesverwaltung im Anden-Hochland beherbergt viele Firmen und Büros und stellt die Verbindung Ecuadors zur Welt sicher. Der Palm-, Bananen- und Papayaanbau findet dagegen eher zur Pazifi kküste hin statt. Auch unser Partner Natural Habitats hat in Quito seinen ecuadorianischen Hauptsitz. In der Verwaltung arbeiten 10 Mitarbeiter. Von hier aus werden auch die sieben Agraringenieure zur Beratung der Bauern vor Ort koordiniert.

Die Fahrt zum Projekt in die Region Esmeraldas dauert etwa fünf Stunden und führt durch eine artenreiche und vielfältige Wald- und Kulturlandschaft. Hans Van den Heuvel fährt uns diesen langen Weg. Seine Aufgabe bei Natural Habitats ist es, die Ölmühle und die Logistik der Palmfrüchte von den Bauern zur Mühle zu organisieren.

Da für ein hochwertiges Öl bei tropischen Temperaturen eine möglichst kurze Zeit von Ernte bis zur Verarbeitung (max. 24 Stunden) entscheidend ist, fahr en die Bauern ihre geringe tägliche Ernte nur bis zum nahegelegenen Sammelplatz. Dort wird die Ware ausgeladen und gewogen. Die für alle gültigen Abnahmepreise sind transparent ausgewiesen, inklusive Bio- und HAND IN HAND-Prämie. Da die Preise deutlich über dem konventionellen Preis liegen, fi ndet das Projekt hohe Akzeptanz in der Region. Vom Sammelplatz bringen fi rmeneigene LKWs die Palmfrüchte kontinuierlich zur Mühle. Arthuro, ein erfahrener Ingenieur, leitet die Ölmühle.
Firmeneigene LKWs bringen die Palmfrüchte sofort nach der Ernte in die Ölmühle

Bio plus fair ist nachhaltig


Auf halbem Wege machen wir in La Concordia Halt und besuchen eine Informationsveranstaltung der staatlichen Agrarbehörde zu nachhaltigem Palm. Unter den Rednern ist auch Jessenia Angulo. Die Agraringenieurin ist bei Natural Habitats für Nachhaltigkeit und ländliche Dorfentwicklung zuständig. Sie erläutert den Anwesenden die Unterschiede zwischen RSPO (RoundTable of Sustainable Palm) und dem weit über diese Kriterien hinausgehenden Bio-Fairhandels- Programm von Natural Habitats.

Hier auf der Praxisebene wird es konkret: Landwirte und Mühlenbesitzer wollen mit guten Argumenten überzeugt werden, um irgendwann einmal Begeisterung für die Idee des Bio-Anbaus zu entwickeln. Als gebürtige Ecuadorianerin kommt sie mit der Formel „Nachhaltig = Bio + Fair“ selbst bei einem kritischen Publikum gut an.

Wir besuchen die Ölmühle in Viche, einem Dorf unweit der Küste. Im Umkreis von rund 60 Kilometern liefern etwa 100 Bio-Bauern ihre Palmfrüchte an die Mühle zur Pressung des Rohöls. Etwa 60 Mitarbeiter verarbeiten die Palmfrüchte. Das Öl wird aus dem ölhaltigen Fruchtfleisch der sehr ergiebigen Palmfrüchte gepresst, die Palmfrucht ist dreimal ertragreicher als Raps. Die Palmkerne hingegen werden zur Gewinnung von Palmkernöl für die Kosmetikindustrie weitervermarktet. Der dickflüssige Absatz aus der Pressung gelangt in große Auffangbecken. In der eigenen Biogasanlage wird daraus Strom erzeugt. Damit, und durch die Verwendung der ausgepressten Palmbüschel als Heizmaterial für die Dampföfen ist die gesamte Mühlenanlage energieautark.
Bäuerin Alessandra (Mitte) mit Beratern von Natural Habitats (Hans und Jessenia). Zur Düngung der Flächen werden Leguminosen untergesät.

Die Wertschöpfung bleibt im Land


Nach einem Mittagessen mit den Mitarbeitern in der fi rmeneigenen Kantine besuchen wir drei Palmbauern in der Umgebung. Sie besitzen Flächen von 20 bis 80 Hektar, wovon ein großer Teil mit Palmen bebaut ist. Daneben werden Maracuja, Bananen, Maniok, Kaffee und vor allem hochwertiger Kakao kultiviert.

Wir treffen selbstbewusste, gut informierte Bauern, die ihre Anlagen traditionell mit eher geringer Intensivität bewirtschaften. Da es sich - wie bei Alessandra und Walter Loyaga – größtenteils um Familienbetriebe handelt, unterstützen Arbeiter aus dem Dorf bei der Ernte.

Zur Düngung der Flächen werden auch hier im biologischen Anbau Leguminosen untergesät. Die Projektberater und Agraringenieure empfehlen zudem, Kakao als Unterkultur anzubauen. Dies fi ndet zunehmend Verbreitung.

Die in ihrer Ausdehnung sehr überschaubaren Palmfl ächen unterscheiden sich nicht wesentlich von Kokosplantagen in Sri Lanka. Seit den 1960er Jahren wird die Ölpalme in dieser Region kultiviert, nachdem zuvor Bananen die vorherrschende Frucht darstellte. Der Palmanbau garantiert den Familienbetrieben neben anderen Kulturen ein ausreichendes Einkommen, bei dem viel Wertschöpfung im Land selbst verbleibt. Gänzlich anders verhält es sich beim Exportschlager Erdöl. Hier führen Pipelines ausländischer Firmen durch das ganze Land in Richtung Hafen und leiten auch die Wertschöpfung an der Region vorbei.
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Fairer Handel für soziale Strukturen


In Ecuador gibt es trotz aller großen sozialen Unterschiede in der Bevölkerung eine fortschrittliche Gesetzgebung wie Schulpflicht, Umweltschutzvorgaben oder Landtitel für die Bauern. Allerdings sind viele Regionen ebenso strukturschwach wie die Gemeinde Viche. Ohne privatwirtschaftliche Initiativen gäbe es keine funktionierende Gemeindestruktur.

Fußläufig zur Ölmühle unseres Partners gibt es eine Grundschule für die Kinder des Ortes. Die engagierte Lehrerin Patricia könnte allein vom staatlichen Geld nicht ausreichend bezahlt werden. Eine eigens beauftragte Ärztin untersucht und behandelt jeden Monat die SchülerInnen, eine Sozialarbeiterin betreut die Familien auch zu Hause. Dieses soziale Engagement, das nur durch den fairen Handel möglich ist, stellt in der Region eine große Unterstützung für die heranwachsende Generation dar. Allgemein gibt es nur geringe Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche. Ein Problem sind auch Schwangerschaften bei noch minderjährigen Mädchen.

Trotzdem ist die Lebensfreude und Begeisterungsfähigkeit dieser Menschen für uns schier unerklärlich. Überall trifft man auf lachende und fröhliche Gesichter. Meist werden wir mit Tanz und Liedern empfangen. Die Menschen sind stolz auf das Wenige, das sie haben. Hier ist das Öl aus den Palmfrüchten ein positives Beispiel dafür, wie konkret nachhaltig, sozial und umweltverträglich Biolandwirtschaft auch andernorts wirken kann. Um dies vom Feld bis auf den Teller deutlich zu machen, tragen Rapunzel Produkte mit Anteilen von Palmöl unsere grüne Palme mit dem Hinweis „Faires Bio-Palmöl - Aus Respekt vor Mensch, Tier und Natur“. Zurecht, davon bin ich nach unserem wiederholten Besuch einmal mehr überzeugt.
Jedes Essen zählt!

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