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Einladung zum Right2Know March

Warum der Marsch / Hintergrund

Genfrei Gehen goes America



Sonntag 2. Oktober 2011
2. Marschtag von Jersey City über Newark nach Springfield 





Nach Manhattan hatte ich schon auf etwas Entspannung gehofft. Aber es sollte noch heftiger kommen. Obwohl heute 21 Meilen angekündigt waren, nahmen die Organisatoren den für 8.30 Uhr festgelegten Abmarschzeitpunkt nicht sonderlich ernst, wie überhaupt alles recht locker wirkt. Für uns und die anderen mitlaufenden Deutschen eher gewöhnungsbedürftig. Und kaum warmgelaufen, gab es schon den ersten Stopp an einem kleinen vegetarischen Bioladen. Eine Entwicklung, mit der sich kleinere Bioläden gegenüber den überall anzutreffenden "wholefoods" zu profilieren suchen, scheinbar mit Erfolg.

Das war in Jersey City, schon eine sehr merkwürdige Stadt, direkt gegenüber von NYC am anderen Ufer des Hudson gelegen. Der Übergang könnte krasser nicht sein. Ein wilder Mischmasch, kleine alte Häuser, ein paar Hochhäuser und dazwischen schon viel Niedergang und Schmutz. Es dauerte lange, bis wir aus den Wohnvierteln zum Industriebereich gelangten.

Die Wegführung dorthin war eine Herausforderung. Meilenweit ging es entlang 6-spuriger Straßen, über verrostende Eisenbrücken, auf kaum einen halben Meter breiten Fußwegen. Fußwege konnte man das eigentlich nicht nennen: zu schmal und voller Gerümpel. Unter uns breite Gewässer mit dahintreibendem Abfall und Treibholz, eine richtige braune Soße. Von diesen Brücken hatten wir einen hervorragenden Ausblick zurück ins langsam entrückende NYC und Einblick in albtraumhafte Abwrackbetriebe und andere undefinierbare Firmengelände. Dazu gab´s noch den infernalischen Lärm der vorbeidonnernden monströsen LKWs, die die Brücken zum Schwingen brachten. Und über uns permanent einschwebende Jets auf den Flughafen von Newark. Überall dazwischen Containergebirge, stinkende Schlote, Lärm und Dreck - und das über Meilen. Offensichtlich wurde diese Gegend in gewissem Sinne schon aufgegeben. Fußgängerwege sind in dieser Gegend nicht vorgesehen. Dass manche Mitwanderer Angst bei den lebensgefährlichen Straßenüberquerungen haben - über Abbiegespuren von 3-spurigen Schnellstraßen voller Schlaglöcher - ist verständlich.

Was haben wir mit dieser Welt am Abgrund zu tun? Darüber ließ sich beim Durchschreiten trefflich meditieren. Die Ergebnisse lassen sich in der aus Zeitgründen gebotenen Kürze hier nicht wiedergeben. Es ist auf jeden Fall heilsam, hier durchgelaufen zu sein, durchaus eine bewusstseinsbildende Maßnahme.
Verständlich, dass wir froh sind, hier heil raus- bzw. durchgekommen zu sein. Wir kommen nach Newark Downtown. Auch hier eine Hässlichkeit nach der anderen. Wir fragen uns, wie Menschen in solchen Gegenden über-leben können. Muss ich da Respekt oder doch eher Mitleid haben? Viele von Ihnen - wenn nicht gar die Überzahl – sind extrem übergewichtig, in der Überzahl Farbige unterschiedlicher Herkunft.
Da sind dankbar, dass wir nicht auf die Einkaufsstätten dieser Menschen angewiesen sind. Ebenso nicht auf das Frühstück in den Hotels - eigentlich nichts Essbares dabei. Deshalb sind wir und die anderen Mitwanderer der mobilen Küchencrew dankbar, die uns auf vegane Art und Weise schmackhaft versorgt.

Unverzagt verteilen Mitwanderer Flyer an die seltenen Passanten. Es gibt viel Unverständnis zu unserm Anliegen, aber Respekt vor dem Vorhaben, von NYC bis nach Washington zu laufen. Aber auch das überschreitet sichtlich das Vorstellungsvermögen der meisten.

Damit das ganze nicht zu traurig wird, haben die Aktivisten der "Sustainable Roadshow" auf ihrem Dreirad-Fahrrad eine Soundanlage montiert, deren Power uns immer wieder neuen Schwung verleiht.

Beim Laufen kann mensch dann noch ganz nebenbei seine Englischkenntnisse auffrischen oder zwischendurch die professionell animierten Rap-Songs begleiten. Unsere schwindenden Kräfte bauen wir mit einem Bier aus einem "Liquershop" auf. Eigentlich dürfen wir das draußen gar nicht trinken: Es müsste mindestens einen Papiertüte herumgewickelt sein, sonst gibt es Bußgeld.

Es ist bereits dunkel, als wir am Ziel in Springfield einlaufen. Die Fußsohlen und die Oberschenkel glühen vom vielen Asphalt.

Joseph Wilhelm

P.S.: Tatsächlich gäbe es viel mehr zu berichten, aber ich bin zu k.o. und ausgehungert, um weiterzuschreiben. Und es ist schon 22 Uhr, da wird nach ein paar Tagen immer noch der Jetlag spürbar.






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