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Einladung zum Right2Know March

Warum der Marsch / Hintergrund

Genfrei Gehen goes America



Donnerstag 6. Oktober 2011
6. Marschtag  - Pausentag







Heute oder besser gesagt gestern war der sechste Tag unseres Weges von NYC nach W. DC., denn heute ist der erste und einzige Pausentag dieser Tour. Das erlaubt mir den Luxus, meinen Tagesbericht einigermaßen ausgeschlafen zu verfassen. Nur einigermaßen deshalb, weil die amerikanischen Unterkünfte, die wir immer möglichst nah zu unserem Ziel- und Startplatz gebucht haben, allesamt in der unteren Preiskategorie liegen. Heute bei 44 $. Dafür bekommt mensch meist zwei alleinstehende sogenannte "King Size" Betten. Dazu Fenster die nicht zu öffnen sind, eine Klimaanlage, die viel zu laut und giftig ist, wenn man sie anmacht und meistens eine Plastikboxdusche, die viel und heißes Wasser über einem ergießt. Dazu auf jeder Etage eine ganze Batterie von "Vending Machines", Automaten, die einem allerlei Junk an Getränken und für uns nicht Essbares bieten.

Frühstück war bisher ein Alptraum, bei dem mensch - sofern er sich daran beteiligt - eine Monatsmenge an Plastik- und Styropor-Abfall produziert. Vielleicht sind die Verpackungen mancher Kreationen unschädlicher zu essen als das, was drin ist.
Obendrauf gibt es dann noch als Gratisdreingabe einen nie verstummenden Geräuschpegel der umliegenden Straßen mit tollen Motorbremseinlagen der wunderschönen Mack- und Freightliner-LKWs. Und wenn das fehlt, türmen sich auf den endlosen Flachdächern der Nachbargebäude gigantische Kühlanlagen, die in allen Räumlichkeiten das ganze Jahr über frühwinterliche Temperaturen produzieren und dabei ihre Geräusche abgeben.

Glücklicherweise sind wir auf die gastronomischen Einrichtungen von Donkin Donuts und den auch bei uns sich immer weiter ausbreitende, bekannten Betreibern nicht angewiesen. Zu diesem Zweck haben wir einen größeren Notvorrat an Studentenfutter, Fruchtschnitten und Trockenfrüchten mitgebracht - für den Fall, das unsere mobile Küche nicht in der Nähe ist.
Neben den Nächten trägt vor allem das tägliche Laufen entlang und auf den meist lauten Straßen sowie hinter unserer Soundanlage zu einem abgeklärten und fast überirdischen Zustand bei.

Der oft schnelle Wechsel der sogenannten "Neighbourhoods" hat auch einiges zu bieten. So auch gestern, als wir uns ausnahmslos durch den suburban Ostküsten-Dschungel bewegt haben. Frühes Negativerlebnis des Tages war der Schock (zumindest für mich) zu erfahren, dass wir bei dem vormittäglichen Stopp an einem großen Wholefoods Market in Jenkinstown unsere Banner und sonstigen GMO-NO-Werbemittel nicht entfalten durften. Das Personal dieses üppig ausgestatteten Marktes - auf sicher 2000 qm - hatte zwar volles Verständnis für unser Anliegen, konnte sich jedoch der Anweisung der Firmenzentrale nicht entziehen.
Dahinter steht wohl die Wallstreet-Börsennotierung, dort möchte man niemanden verunsichern. Und angeblich sei der aktuelle CEO (Vorstand, Geschäftsführer) von Wholefoods ein guter Freund des Monsanto CEOs.

Ehemals entstanden aus zunächst einem, dann mehreren echten Bioläden, ist Wholefoods inzwischen der unangefochtene Marktführer im Health food-Bereich. Geschickt hat es diese Kette verstanden, ein Image zu erzeugen, wo mensch erst mal glaubt: "Ich bin ja in einem Bioladen". Vor allem in dem wirklich umfangreichen "Takeaway"-Bereich muss man genau hinschauen, was wirklich Bio ist. Ansonsten ist die Auslobung von Bio und Nicht-Bio im Frischebereich deutlich. Der tatsächliche Bioanteil ist schwer zu schätzen. Er dürfte aber wohl weit unter 50 % liegen. Sicherlich generiert Wholefoods mit dieser Strategie auch Milliarden an Bioumsätzen und hat mit seinem Gesamtumsatz inzwischen viele konventionelle Supermarktketten umsatzmäßig überholt.
Eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit dieser Firmenstrategie würde hier zu breiten Raum einnehmen, einfach mal selbst darüber meditieren.

Eigentlich wollte ich ja gerade über die sich schnell wechselnden sozialen Viertel schreiben. Also: ein Wholefoods liegt grundsätzlich in einem Wohlstandsviertel - und da leben auch nur Reiche. Dort ist alles schick und proper und sicher.
Später kamen wir dann an einem alten, engen und kleinen Coop-Laden in einer anderen Vorstadt von Philadelphia vorbei. Dort ist die Umgebung schon anders. Wirklich hübsche Häuser und Villen aller Größen strahlten einen morbiden Charme aus. Alle hatten ihre beste Zeit lange hinter sich. In manchen Straßen war jedoch eine Melancholie und Trostlosigkeit spürbar, mit der ich nicht täglich leben möchte. Sehr viele Häuser standen zum Verkauf. In manchen Straßen stand sicherlich die Hälfte der Häuser leer.

Umso größer war die Freude der Anwohner bei der sogenannten "Rally" am Coop-Laden bei der Ankunft der "Marchers". Die Band der "Sustainable Roadshow" spielte auf, es gab frisch gepressten Apfelsaft und eine pathetische Ansage.

Erst nachdem das letze Lied verklungen war, ging es dann endlich weiter. Immerhin hatten wir noch 8 bis 12 Meilen zu laufen und es war klar, es würde mal wieder Nacht werden. Und so war es dann auch. Immerhin durften wir den bisher landschaftlich schönsten Abschnitt des ganzen Marsches erleben, als wir durch ein wunderschönes enges Flusstal gingen. Dass die Straße direkt daneben lief, war dann egal. Sicherlich die schönste Meile bisher.

Dann fing es dann auch schon an zu dämmern als wir die letzten Highways und Brücken kreuzten und nach West-Phili einliefen. Die Guides wiesen uns eindrücklich darauf hin, geschlossen als Gruppe zu marschieren und darauf zu achten, dass niemand alleine zurückblieb. Das hatte gute Gründe. Nicht nur die Nacht wurde zappenduster sondern auch die Gegend. Ganze Häuserzüge fast ohne Licht hinter den Fenstern, viele mit Spanplatten und sonstigem verrammelt. Bei schwacher Straßenbeleuchtung erreichten wir unser Ziel, einen zu einem sozialen Treffpunkt umfunktionierten Lagerschuppen mit vielen Sofas und drei Klavieren. Von den drei Leitern, die direkt dort hinter großen Vorhängen ihre Privacy haben, wurden wir herzlich begrüßt und gleichzeitig darauf hingewiesen, nicht alleine in die Nacht rauszugehen. Unser Konrad hatte unseren Van vor der Türe permanent im Auge, da auch noch anderer Leute Gepäck drin war.

Das sind dann die Erlebnisse, die uns deutlich machen, dass der über Generationen viel beschworene "American Dream" für viele längst eine heimatliche, bekannte Bergkette davor stehen hat.

Da keiner von uns je in Philadelphia war, möchten wir uns heute gerne einmal die Stadt ansehen - wohl eine der historischsten Städte und Stätten der USA und der amerikanischen Geschichte.
Joseph Wilhelm
Vom Right2knowmarch






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