ERNÄHRUNG & GESUNDHEIT Gesundheit entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Balance und Anpassungsfähigkeit.“ Nüsse, hochwertige Öle sowie Kräuter und Gewürze. Bei den Mahlzeiten geht es laut Schlosser weniger um starre Regeln als um Qualität und einen natürlichen Rhythmus. Ein guter Longevity-Tag könnte mit einem nährstoffreichen Frühstück beginnen, etwa mit einem Porridge aus geschroteten Saaten wie Hanf, Lein- und Kürbiskernen in pflanzlicher Milch. Mittags Gemüse als Basis, ergänzt mit komplexen Kohlenhydraten wie Hülsenfrüchte und einer Proteinquelle – etwa Fisch, Ei, Tofu oder Tempeh. Zum Abendessen empfiehlt die Ernährungsberaterin leichte, gut verträgliche Kost, die den Körper wenig belastet. „Entscheidend ist hier nicht die Perfektion, sondern ein alltagstauglicher Ablauf“, sagt Schlosser, „und bewusste Esspausen“. 2 2 NATUR.POST JULI/26 Die gefährlichsten Altmacher zu erkennen, ist relativ einfach. Sie sind im Prinzip das Gegenteil dessen, was Longevity ausmacht: Stark verarbeitete Lebensmittel, zu viel Zucker, zu viel ungesundes Fett, zu viel Fleisch. Außerdem chronischer Stress, Schlaf- und Bewegungs- mangel sowie Alkohol und Nikotin. TREND ZUR SELBSTOPTIMIERUNG Der Rummel, der momentan um Longevity entstanden ist, birgt – wie fast jeder Hype – auch die Gefahr der Übertreibung. Selbstoptimierung um jeden Preis kann auch einen gegenteiligen Effekt haben, wenn das Leben kaum noch außerhalb des Longevity-Protokolls stattfindet. Für Barbara Schlosser ist klar: „Gesundheit entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Balance und Anpassungsfähigkeit. Chronischer Stress, auch durch den eigenen Perfektionismus, wirkt sich negativ auf den Körper aus. Ein gesunder Lebensstil sollte unterstützen und nicht unter Druck setzen“. Neben- produkt des Hypes sind auch Supplements, also Nah- rungsergänzungsmittel, die altersrelevante Prozesse aufhalten oder zumindest verlangsamen sollen. Nicht alle sind schlecht. Ernährungsberaterin Schlosser rät aber zu Aufmerksamkeit: „Supplements können sinn - v oll sein, sie können helfen, Lücken zu schließen. Aber sie sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung“. Longevity bedeutet nicht, dem Altern zu entkommen, sondern das Leben bewusst zu gestalten. So ist es auch nicht irgendwann zu spät, damit anzufangen. Auch ältere Menschen können profitieren. Barbara Schlosser ist überzeugt, dass selbst kleine Verände- rungen einen Effekt haben: „Der Körper ist bis ins hohe Alter anpassungsfähig. Man könnte also sagen: Es ist nie zu spät, dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun.“ Und wie hält es eine Ernährungsberaterin selbst mit ei- ner Ernährung unter Longevity-Gesichtspunkten? Ge- nehmigt sie sich auch mal eine Pause oder sogar mal eine kleine Schummelei? „Ich bin nicht dogmatisch. Ich versuche im Alltag gute Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig flexibel zu bleiben. Auch Genuss, Pausen und Unperfektheit gehören für mich dazu.“ Also eben nicht die Frage „Wie alt wollen wir werden?“, sondern „Wie wollen wir alt werden?“. Vielleicht ist es gar nicht so schwer.