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Bayerisches Bier muss gentechnik- und patentfrei bleiben!

Zum politischen Aschermittwoch der CSU in Passau machte ein breites Bündnis auf Wahlfreiheit und Transparenz bei Neuer Gentechnik aufmerksam.

Mit einer überdimensionalen Maß Bier und der Frage ‚Gentechnik im Bier? Manipuliert – patentiert – undeklariert?‘ machte gestern ein breites Bündnis vor der Dreiländerhalle in Passau auf Wahlfreiheit und Transparenz aufmerksam. Das Bündnis – zu dem neben Rapunzel Naturkost auch Landwirte, Verbraucher- und Naturschützer wie Greenpeace gehören – fordert die CSU auf, sich klar für Risikoprüfung, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung bei Neuer Gentechnik sowie gegen Patente auf Pflanzen auszusprechen. Im Anschluss an die Aktion zeigte die CSU Gesprächsbereitschaft. 

Natürlich darf beim größten Stammtisch der Welt – so wie die CSU ihren Politischen Aschermittwoch bewirbt – ein gutes bayerisches Bier nicht fehlen. Was aber, wenn dort in Zukunft Neue Gentechnik drin ist – aber undeklariert und damit ohne Wahlmöglichkeit? Dies könnte tatsächlich bald der Fall sein, denn auf EU-Ebene wird gerade ein neues Gesetz verhandelt. Kommt der Gesetzesvorschlag so wie er aktuell diskutiert wird zum Tragen, gäbe es für Neue Gentechnik-Pflanzen und deren Produkte keine Risikoprüfung und keine Kennzeichnungspflicht auf den Produkten mehr. Auch Patente auf Pflanzen sind dann erlaubt. Damit würden wir unsere jetzige europäische Unabhängigkeit bei Saatgut – der Basis unserer Ernährung – aufgeben. Und unsere wertvollen gentechnikfreien konventionellen sowie ökologischen Märkte (über 30 Mio Umsatz jährlich in Deutschland, lt. BÖLW u. VLOG) und Wettbewerbsvorteile würden zerstört werden. Wir alle hätten keine Wahlfreiheit mehr – wie wir Saatgut und Lebensmittel erzeugen – aber auch nicht mehr, was wir essen und trinken. Dagegen gibt es Widerstand von einem breiten bayerischen Bündnis, das fordert: das bayerische Bier und die bayerische Lebensmittelerzeugung müssen gentechnikfrei und patentfrei bleiben!

Joseph Wilhelm, Gründer von Rapunzel Naturkost: „Die versprochenen Wunderlösungen der alten und neuen Gentechnik – von Trockenheitsresistenz bis Schädlingsresistenz – sind bis heute nicht erfüllt. Stattdessen erleben wir massive Monokulturen, den Einsatz von Glyphosat und Kunstdünger, den Verlust von Biodiversität, Insektensterben und nachgewiesene gesundheitsschädliche Rückstände. Die Folgen sind irreversibel. Die Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen lässt sich nicht stoppen – Bienen fliegen überall hin. Rapunzel kämpft seit über 30 Jahren für eine gentechnikfreie Landwirtschaft. Bio ist per se gentechnikfrei – und das muss so bleiben. Wir geben nicht auf, denn die Natur braucht Schutz und wir haben ein Recht auf Transparenz und Wahlfreiheit.“

Hintergrund der Aktion: Voraussichtlich Anfang April wird das EU-Parlament über den Gentechnik-Gesetzesvorschlag final abstimmen. VertreterInnen des breiten Bündnisses waren in Passau beim politischen Aschermittwoch der CSU. Mit einer großen Maß Bier machten sie auf die bevorstehende Problematik aufmerksam. Ihr Fazit: Mit dem geplanten neuen Gentechnik-Gesetz würden wir unsere europäische Unabhängigkeit bei Saatgut – der Basis unserer Ernährung – aufgeben. Denn Patente auf Saatgut zerstören die europäische Wettbewerbsfähigkeit und die Unabhängigkeit unserer Landwirtschaft – konventionell wie ökologisch. Der Verbraucherschutz inklusive Wahlfreiheit würde abgeschafft. Das widerspricht dem gesellschaftlichen Konsens. Deshalb muss sich die CSU gegen diesen Gesetzesvorschlag stemmen!

Eine Menschenmenge vor einem Regierungsgebäude mit verschiedenen Schildern in der Hand.
AbL e. V. / Stefan Schopf

Folgende Organisationen waren in Passau dabei: 

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Landesverband Bayern e.V., Biokreis e.V., Bioland Bayern, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. Landesteam Bayern, BUND Naturschutz in Bayern e.V., Demeter Landesverband Bayern e.V., Greenpeace München, Interessengemeinschaft Nachbau, junge AbL Bayern, Kein Patent auf Saatgut!, Katholische Landvolk Bewegung (KLB) Landesverband Bayern, Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) e.V., NaturFreunde Bayern, Rapunzel Naturkost, Slowfood München, TAGWERK e.V., Zivilcourage.

Bildmaterial finden Sie hier:Öffentliche Freigabe - Nextcloud - AbL Nextcloud 

Fotonachweis: AbL e. V. / Stefan Schopf