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Ohne Kennzeichnung keine Wahlfreiheit

Rapunzel Naturkost hat am 10. April 2026 in der Rapunzel Welt den Europaabgeordneten Markus Ferber (CSU) zu einem Gespräch über die geplante EU Neuregelung zur Neuen Gentechnik (NGT) empfangen.

Rapunzel Naturkost hat am 10. April 2026 in der Rapunzel Welt den Europaabgeordneten Markus Ferber (CSU) zu einem Gespräch über die geplante EU‑Neuregelung zur Neuen Gentechnik (NGT) empfangen. Ziel war es, den aktuellen Stand des Verfahrens zu verstehen, zentrale Sorgen aus Landwirtschaft und Wirtschaft zu adressieren und zu klären, welche Schritte kurz vor der EU-Entscheidung noch sinnvoll sind. Mit im Termin waren Eva Heusinger (Marketing Rapunzel Naturkost/Politisches Engagement), Joseph Wilhelm (Gründer und Gesellschafter Rapunzel Naturkost) sowie Elisabeth Waizenegger, Milchbäuerin aus dem Allgäu und Mitglied im Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

„Wahlfreiheit braucht Transparenz – und die beginnt beim Etikett“

Markus Ferber stellte den aktuellen Stand der Verhandlungen dar: Nach dem derzeit diskutierten EU‑Kompromiss sollen Pflanzen der Kategorie NGT‑1 grundsätzlich nicht auf Lebensmitteln gekennzeichnet werden; lediglich Saatgut und Vermehrungsmaterial wären kennzeichnungspflichtig. Zudem sei vorgesehen, Patentfragen in einem separaten Schritt weiter zu prüfen. Ferber machte deutlich, dass das Europäische Parlament voraussichtlich über diesen Kompromiss abstimmen werde. Rapunzel kritisiert: Ohne Kennzeichnung und verlässliche Rückverfolgbarkeit werde es für gentechnikfrei wirtschaftende Betriebe deutlich schwerer, ihre Lieferketten rechtssicher zu gestalten.

 „Damit Verbraucherinnen und Verbraucher und Betriebe wirklich frei entscheiden können, ob sie neue Gentechnik im Essen wollen, muss auch Neue Gentechnik eindeutig gekennzeichnet werden. Warum sollen die Verbraucher nicht wissen, wie das Produkt hergestellt wurde? Nur dann ist es eine echte Entscheidung des Marktes“, betont Eva Heusinger.

Joseph Wilhelm: Seit Jahrzehnten für gentechnikfreie Lebensmittel – „Wir haben ein Recht zu wissen, was wir essen“

Joseph Wilhelm engagiert sich seit Jahrzehnten für eine gentechnikfreie Landwirtschaft. Rapunzel kämpft seit über 30 Jahren für eine gentechnikfreie Landwirtschaft und setzt sich konsequent für Kennzeichnung, Risikoprüfung und Rückverfolgbarkeit ein. 

Joseph Wilhelm hat dieses Engagement immer wieder öffentlich gemacht – unter anderem durch internationale Aktionen, die das Recht auf Information und Kennzeichnung in den Mittelpunkt stellen: „Wenn Gentechnik drin ist, muss das erkennbar sein. Transparenz ist die Grundlage von Vertrauen – gerade für Bio.“

V.l.n.r: Joseph Wilhelm (Gründer und Gesellschafter Rapunzel Naturkost), Markus Ferber (MdEP der CSU), Elisabeth Waizenegger (Milchbäuerin aus dem Allgäu und Mitglied im Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)) und Eva Heusinger (Marketing Rapunzel Naturkost/Politisches Engagement)

Landwirtschaft warnt: Bäuerinnen und Bauern dürfen nicht das Risiko tragen

Elisabeth Waizenegger (AbL) machte deutlich, dass ohne durchgehende Kennzeichnung und ohne Koexistenz- und Haftungsregeln die landwirtschaftlichen Betriebe am Ende mit Unsicherheiten und Risiken allein gelassen werden. Sie betonte zugleich: Forschung solle nicht verteufelt werden – aber Bäuerinnen und Bauern müssten das Recht haben, ihre Produktionsweise selbst bestimmen zu können, und Verbraucherinnen und Verbraucher müssten am Produkt erkennen können, was sie kaufen.

Gentechnikfreie Märkte sind wirtschaftlich relevant

Rapunzel verweist zudem auf die wirtschaftliche Bedeutung gentechnikfreier Märkte: Laut VLOG lag der Umsatz mit „Ohne-Gentechnik“-Lebensmitteln 2025 bei rund 18,1 Mrd. Euro; zusammen mit dem Bio‑Markt ergibt das über 36 Mrd. Euro gentechnikfreien Lebensmittelumsatz in Deutschland.

Hinzu kommt die 100 % gentechnikfreie Pflanzenerzeugung, die ebenso ein großer Wettbewerbsvorteil der europäischen Lebensmittelproduktion ist.

Nächste Schritte: Jetzt breite Stimmen gefragt

Ferber riet, die verbleibende Zeit im Verfahren zu nutzen und die Anliegen gebündelt und sachlich in den politischen Prozess einzubringen – insbesondere über starke Verbände und Marktakteure. Rapunzel unterstützt diesen Ansatz und plädiert dafür, dass sich neben Landwirtschaft und Verarbeitung auch Handel und Verbraucherorganisationen klar positionieren.

Rapunzels Kernforderungen in Kürze

Rapunzel Naturkost fordert im Zuge der EU‑Beratungen:

  1. Kennzeichnung bis zum Endprodukt (auch bei NGT‑1)

  2. Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette

  3. Praktikable Regeln, damit gentechnikfreie Landwirtschaft und Bio nicht benachteiligt werden

  4. Keine Patente auf Pflanzen, denn sie verhindern den freien Zugang zu Saatgut.

Weitere Informationen: rapunzel.de/unser-engagement/gentechnik