Gruppenfoto mit Seraphine und Joseph Wilhelm und einer Bauern-Familie der Kagera Cooperative Union.

Kaffee-Mischanbau
in Tansania

KCU - BIO-ROBUSTA-KAFFEE AUS DEM BERGLAND

Die Kagera Cooperative Union (KCU) arbeitet mit rund 14.000 bio‑zertifizierten Kleinbauern – ca. 6.500 davon sind zusätzlich HAND IN HAND zertifiziert. Auf kleinen Parzellen bauen diese Kaffee im traditionellen Mischanbau an – unter anderem mit Bananen, Bohnen und weiteren Nutzpflanzen für den eigenen Bedarf. Rapunzel bezieht seit 1999 Bio‑Kaffee von KCU; die Bohnen fließen in Heldenkaffee Espresso und Heldenkaffee Viva. Die Zusammenarbeit setzt auf langfristige Beziehungen, klare Prozesse und eine Kooperativen-Struktur, die Anbau, Sammlung, Verarbeitung zu exportfähigem Rohkaffee und Auszahlung der Bauern organisiert.

Wo unsere Rohstoffe wachsen

Robusta aus kleinbäuerlichem Mischanbau

Das gemäßigt tropische Bergland prägt Anbau und Ernte. Viele KCU-Mitglieder arbeiten auf sehr kleinen Parzellen von durchschnittlich rund 1.000 m². Typischerweise werden davon etwa 600 m² für den Anbau genutzt; die übrigen Flächen dienen als Hof‑, Rand‑ und Regenerationsbereiche oder wechseln je nach Saison. Der Mischanbau mit Bananen, Bohnen und weiteren Früchten strukturiert die Flächen und verteilt Arbeitsschritte über das Jahr. Zudem trägt er neben dem Anbau des Export-Produkts Kaffee zur Versorgung der Kleinbauern mit Grundnahrungsmitteln bei.

Anbau, Verarbeitung & Zusammenarbeit

Verlässliche Qualitätsarbeit

Die Kooperative bündelt die Mengen ihrer Mitglieder und organisiert Verarbeitung und Export bis zum exportfähigen Rohkaffee. Das ist für die Kleinbauern entscheidend: Sie sind nicht darauf angewiesen, an Zwischenhändler zu verkaufen, sondern vermarkten ihren Kaffee gebündelt und verhandeln Preise sowie Exportkonditionen über KCU. Gleichzeitig bleibt das Know-how dort, wo es entsteht – auf den Höfen; Agrartechniker unterstützen vor Ort beim Bio-Anbau. Während der Erntesaison liefern die Mitglieder ihre getrockneten Kaffeekirschen an Sammelstellen der Kooperative. Dort erfolgen Annahme, Qualitätskontrolle und eine frühe Auszahlung direkt bei der Anlieferung. In der weiteren Verarbeitung werden die getrockneten Früchte maschinell abgeschält, sodass exportfähiger Rohkaffee entsteht. Am Saisonende erhalten die Produzenten zusätzlich eine Zahlung aus dem Jahresabschluss der Kooperative – für mehr Planbarkeit und nachvollziehbare Qualität entlang der gesamten Kette.

Robusta-Rohkaffee HAND in HAND
Portrait
Name: KCU
Produkt: Robusta-Rohkaffee
Land: Tansania
Programm: HAND in HAND
Name: Kagera Cooperative Union (KCU)
Region: Kagera
HAND IN HAND-Partnerschaft seit: 2001
Besonderheit: Mischanbau auf kleinen Flächen; frühe Bezahlung + Saisonabschluss‑Vergütung

Herkunft, Rohstoff & Partnerschaft

Traditioneller Mischanbau vor Ort

Im westlichen Bergland der Kagera‑Region, nahe dem Viktoriasee, prägt kleinbäuerliche Landwirtschaft den Alltag. Viele Familien leben von dem, was ihre Felder hergeben – und sind zugleich besonders anfällig für Wetterextreme wie Dürre oder Starkregen. In diesem Umfeld hat sich der traditionelle Mischanbau bewährt: Neben Kaffee wachsen wichtige Grundnahrungsmittel wie Bananen, Bohnen oder Mais, die Ernährungssicherheit stärken und die Flächen vielfältig nutzen.

Damit Kaffee als wichtigste Einnahmequelle zuverlässig trägt, braucht es mehr als Anbauwissen: Entscheidend ist der Zugang zum Markt. Genau hier setzt KCU an: Als Dachverband zahlreicher Basisgenossenschaften bündelt die Kooperative die Erntemengen, organisiert Vermarktung und Export und macht so Zwischenhandel weitgehend überflüssig. Die Produzentinnen und Produzenten gewinnen dadurch Handlungsspielraum zurück – und können Preise und Absatzwege gemeinsam, professionell und nachvollziehbar gestalten.

Ein strahlender Kaffeebauer wie er stolz seine Kaffeesträucher präsentiert.

Herkunft & System: Der Kaffee stammt aus dem Bergland der Region Kagera – seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Kaffee dort im traditionellen Mischanbau neben Bananen, Bohnen und anderen Früchten kultiviert.

Ein Kleinbauer von KCU bei der Trocknung von Kaffeekirschen in der Nähe seiner Parzelle.

Parzellengröße & Struktur: Die Bauern haben im Schnitt rund 1000 qm Land, von denen sie 600 qm bebauen – klein, im Mischanbau und nah an der Familie.

Joseph Wilhelm neben einem Kaffeebauern auf seiner Parzelle. Gemeinsam halten sie das HAND IN HAND-Logo.

Zertifizierung & Kontinuität: Seit 1999 bezieht Rapunzel Bio-Kaffee von den Bauern der Kagera Cooperative Union. Auch die Unterkooperativen von KCU mit den klangvollen Namen wie Ibwera und Kachwezi sind ökologisch zertifiziert.

Eine Kaffeebäuerin bei der Selektion von Kaffeebohnen.

Ernte & Anlieferung: Die Mitglieder liefern getrocknete Kaffeekirschen an Sammelstellen der Kooperative – mit Qualitätsprüfung vor Ort.

Margit Epple im Gespräch mit KCU. Zu sehen sind Auftragshefte und Kalkulationen.

Auszahlung & Saisonbonus: Besonders wichtig ist die frühe Bezahlung: die Produzenten werden bereits bei der Anlieferung des Kaffees an die Kooperative ausbezahlt. Am Saison-Ende erhalten sie zudem eine zusätzliche Zahlung, basierend auf der Jahresabschluss-Rechnung der Kooperative.

Bildung schafft Perspektiven: Hekima Girls’ Secondary School

Die Hekima Girls’ Secondary School nahe dem Viktoriasee verbindet Sekundarbildung mit praxisnaher Landwirtschaft. Hekima bedeutet auf Suaheli Weisheit, Wissen, Klugheit – und genau dafür steht der Unterricht: starke Abschlussquoten, gute Noten und eine „Doppelausbildung“ aus Theorie und Praxis. Neben den Fächern des Lehrplans lernen die Schülerinnen ökologische Anbaumethoden: Anbau in Mischkultur, Mulchen, Pflege von Kaffeesträuchern, Anbau von Früchten sowie die Herstellung organischer Düngemittel. Dieses Wissen nehmen viele mit in ihre Familien – oft sind die Schülerinnen Töchter von KCU-Mitgliedern – und wenden es dort an.

Eine erlebbare Partnerschaft

Besuche – etwa von Rapunzel Gründer Joseph Wilhelm – machen die Verbindung greifbar. Ein Höhepunkt: die Eröffnung eines neuen Schlafsaals für rund 80 Mädchen auf dem Campus, teilweise finanziert über den HAND IN HAND‑Fonds. Die Schule baut den Praxisanteil weiter aus; zusätzlich unterstützt ein staatliches Beratungszentrum in Bukoba bei Inhalten rund um den Bio‑Landbau. So entsteht Schritt für Schritt ein Lernort, der Bildungschancen erweitert und landwirtschaftliche Kompetenz stärkt – vor Ort und für die Region.