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Agroforst im Allgäuer Schnee


Beim HAND IN HAND-Workshop nehmen Rapunzel und seine Fairhandels-Partner neue Herausforderungen in den Blick
Die Impulse zum Agroforst wurden rege aufgegriffen
Die Impulse zum Agroforst wurden rege aufgegriffen
Die Impulse zum Agroforst wurden rege aufgegriffen
[02/18] Wenn der spätwinterliche Schnee das Allgäu noch einmal weiß färbt, ist bei Rapunzel in Legau Gelegenheit, sich in Fremdsprachen zu üben. Und vielleicht sogar zwei, drei Worte Kisuaheli, die man beherrscht, anzubringen. Denn im Februar kommen traditionell die Rapunzel HAND IN HAND-Partner – die Lieferanten des firmeneigenen Fairhandels-Programms – aus Afrika, Lateinamerika und Südasien zu Rapunzel.

Die persönliche und herzliche Begegnung ist dabei so wesentlich wie der fachliche Austausch. „Wie ist es uns ergangen? Was haben wir gemeinsam erreicht?“, das sind Fragen, die sich Rapunzel und die HAND IN HAND-Partner stellen. Aber immer gehört auch der offene Blick in die Zukunft dazu: um zusammen neue Ziele zu entwickeln und die gemeinsame Vision weiterzutragen. Im HAND IN HAND-Workshop nehmen die Partner außerdem jedes Jahr eine konkrete Herausforderung in den Blick.

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Wie mit Agroforstwirtschaft eine dynamische Stabilität gelingt


Referent Joachim Milz, Leiter der Beratungsfirma ECOTOP und auch als HAND IN HAND-Inspekteur für Rapunzel tätig, stellte ein Beispiel aus der praktischen Landwirtschaft vor. Die Frage „Wie passen wir uns an den Klimawandel an und diversifizieren unsere Produktion“ arbeitete er am Thema Agroforstwirtschaft aus.

Lebende Systeme – so die Grundlage – zeichnen sich durch eine positive Energiebilanz, eine zunehmende Biodiversität und Komplexität sowie eine „dynamische Stabilität“ aus. Um das jeweilige Produkt im Sinne dieses lebendigen Systems anzubauen, lohnt es sich zu betrachten, in welchem Ökosystem die Kultur natürlicherweise vorkommt. Welchen Platz nimmt sie darin ein? Braucht sie den Schatten höherer Bäume? Mit welchen anderen Kulturen wächst sie im System?
Das Ziel der Agroforstwirtschaft ist, sich im Anbau bewusst an das natürliche System mit seinen vielfältigen Pflanzen, Wechselwirkungen und Ergänzungen anzunähern. Kulturen unterschiedlicher Wuchshöhe und Ansprüche an Licht und Schatten werden miteinander angebaut und bilden ein sich befruchtendes System.

Dies hat nicht nur positive Effekte auf die Minimierung von Schädlingen und Krankheiten – sondern auch auf die Vielfalt der in diesen Systemen produzierten Produkte. Neben der jeweiligen Haupt-Anbaukultur werden andere Frucht- und Holzbäume kultiviert, die selbst konsumiert oder verkauft werden können.

Eine Herausforderung für jede Landwirtschaft sind Krankheiten und Schädlinge. Massiver Schädlingsbefall ist immer ein Anzeichen für einen „Fehler“ im System, so Joachim Milz. Das Ökosystem will sich damit selbst korrigieren. Betroffene antworten auf die Herkunft des Befalls oft: „It comes from outside.“ Tatsächlich aber ist er immer Teil des Systems. „Wenn eine Krankheit vorliegt, frage nicht, wie töte ich dich, sondern warum bist du hier.“ Auch hier haben gemischte Bestände einen klaren Vorteil: Biodiversität als klares Risikomanagement.

Was sind die Bedürfnisse der jeweiligen Anbaupflanze?
Was sind die Bedürfnisse der jeweiligen Anbaupflanze?
Was sind die Bedürfnisse der jeweiligen Anbaupflanze?
Besonders bewährt hat sich die Agroforstwirtschaft für tropische Regionen – etwa zur Wiederbewaldung und Nutzung abgewirtschafteter Regenwaldböden. Aber Joachim Milz zeigte, wie das Prinzip des Agroforsts auch Anregungen geben kann für andere, auf den ersten Blick ganz unterschiedliche Systeme, wie etwa Oasenkulturen in Trockenlandschaften.

In Gruppenarbeiten widmeten sich die Workshop-Teilnehmer den Anbausystemen der HAND IN HAND-Partner. Wie nahe sind diese Systeme am ursprünglichen Ökosystem? Dies war die Ausgangsfrage für die Diskussion. Weitere Aspekte der Gruppenarbeit waren etwa, wie die Bedürfnisse der jeweiligen Anbaupflanze in der vertikale Schichtung eines Lebensraumes („Stockwerkbau“) aussehen, Biodiversität, Energiebilanz durch Input von Biomasse (Mulchen), die Bindung von Kohlendioxid, aber auch kritische Punkte wie mögliche Produktivitätseinbußen bei der Hauptkultur durch den Anbau im Agroforstsystem waren Teil der Gruppenarbeit.

Agroforstwirtschaft setzt Kenntnisse über das jeweilige Ökosystem voraus und wie die verschiedenen Pflanzen und Bäume darin miteinander agieren. Setzt der Mensch aber Agroforstwirtschaft planvoll und mit Gestaltungswillen um, profitiert das gesamte System, und das in erstaunlich raschem und reichem Maße.

„Move on! Change the organic world! It is not enough what we are doing“, schloss Joachim Milz. Auch Agroforstwirtschaft ist eine Möglichkeit, noch mehr zu tun – da waren sich Rapunzel und die HAND IN HAND-Partner nach dem Workshop 2018 einig.
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