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Vielfalt ist Trumpf


Inspirierende Vorträge und begeisterter Tausch von Saatgut auf dem SamenFest 2019
– Nächstes SamenFest: 25. Januar 2020! –

Fast 700 Besucher kamen am Samstag, den 26. Januar 2019, zum inzwischen siebten SamenFest bei Rapunzel – eine stolze Zahl trotz widriger Wetterverhältnisse, denn wer schon vormittags anfuhr, musste sich durch Schneewehen nach Legau hindurchkämpfen.

Für das Herzstück des SamenFestes, die Saatgutbörse, fanden auch dieses Mal 25 Aussteller den Weg nach Legau. An ihren Ständen boten sie allerlei samenfestes Saatgut an – von Dutzenden Tomatensorten über einen ganzen Strauß von Chilisorten, allerlei Salat- und Gartengemüse bis hin zu Wildpflanzen –, außerdem biologischen Dünger (aus Schafwolle oder vom Alpaka), Büchern rund um den Garten und allerlei anderen Informationen. Die vier hochkarätigen Vorträge fanden reichlich Zulauf, begehrt waren auch die Betriebsführungen durch Museum und Produktion von Rapunzel und nicht zuletzt auch das Gewinnspiel am Rapunzel Stand.

SamenFest 
Sa., 26. Januar 2019 | 11 - 18 Uhr 
bei Rapunzel Naturkost in Legau


Programmflyer SamenFest (pdf)



Reger Andrang


Im Saal mit der Saatgutbörse herrschte den ganzen Tag reger Andrang. Auf die Frage, wie es an seinem üppig bestückten Stand läuft, antwortete der kernige Gärtnermeister Christian Herb aus Kempten: „Geht schon.“ Was heißt denn das? War das ein Allgäuer Understatement? Christian Herb lacht. „Das heißt: Es läuft ganz gut!“

Bestens angenommen wurde auch der Tauschtisch auf der Bühne. Viele Besucher legten dort eigenes Saatgut ab zum Verschenken oder stöberten unter den Samentütchen und nahmen dankbar den einen oder anderen schönen Fund mit.

Positives Feedback


„Höchst informativ und umfangreich!“, lobte eine Besucherin aus Oberschwaben die Saatgutbörse. „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Jetzt besuche ich noch einen Vortrag.“ Ein anderer Gast schwärmte: „Da gibt es immer was zu entdecken. Eingekauft habe ich, nun esse ich noch was bei euch, dann freue ich mich auf die Betriebsführung.“ 

Eine Auszubildende besuchte die Saatgutbörse, um ganz gezielt bestimmte Samen zu finden, weil sie wusste, hier gute Chancen zu haben. Und eine Stammbesucherin trug ihre Tasche mit zwei Händen hinaus. Alles voller Saatgut? Sie grinste: „Nicht nur. Bücher sind auch ganz interessant.“

Offene Atmosphäre


Neben all dem spannenden Austausch – von samenfestem Saatgut genauso wie von Wissen, Gartengeheimnissen und einfach der Freude am „Schaffen“ in und mit der Erde – war besonders schön die heitere Stimmung. Denn auch dieses Mal bestach das SamenFest durch seine offene und freundliche Atmosphäre, die die Besucher spürbar genossen. Jüngste Besucherin des SamenFestes war ein dreimonatiger Säugling. Sehr friedlich schlief das Mädchen auf den Armen ihres Vaters, ungerührt von dem Treiben um sie herum. „Es sind ja gute Leute hier“, meinte der Vater augenzwinkernd. „Da kann sie gleich die richtigen Schwingungen aufnehmen.“

Videos und Eindrücke von der Veranstaltung 2019


Simone Kern zeigte, wie Sie Ihren Garten zu einem Insektenparadies machen – und das ohne viel Aufwand
Warum Wildpflanzen unsere ehrlichsten und gesündesten Lebensmittel sind, brachte Dr. Markus Strauß dem Publikum nahe
„Machen ist wie Wollen, nur krasser“ – mit dieser Motivation schuf Markus Gastl seinen beeindruckenden „Drei-Zonen-Garten“

Spende an den Saatgutfonds


Wir verlieren immer mehr die Freiheit über unser Saatgut. Denn der Großteil von Supermarkt-Gemüse, aber auch viele Pflanzen im Bio-Bereich sind Hybrid-Sorten – die keine fruchtbaren Nachkommen produzieren bzw. ihre Eigenschaften verlieren. Damit stehen Landwirte wie Hobbygärtner in Abhängigkeit einiger weniger Saatgutfirmen wie Monsanto, die den Markt beherrschen. Rapunzel stellt sich mit dem SamenFest und anderen Aktionen gegen diese Entwicklung: Es weist auf diese wichtige Eigenschaft von Saatgut hin, das für nachbaufähiges Gemüse steht. Die Förderung von Bio-Saatgut ist somit ein wichtiger Beitrag für die Zukunft.

Aus diesem Grund spendet Rapunzel von jedem Eintrittspreis des SamenFestes einen Euro an den Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft – und stockt den Betrag auf 1.000 € auf. Der Saatgutfonds, verwaltet von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, fördert gezielt die gemeinnützige, biologische und biologisch-dynamische Züchtungsforschung. Eine wichtige Aufgabe unserer Zeit, denn Saatgut ist Kulturgut.

Insektenfreundliche Gärten und essbare Wildpflanzen


Der kreislauforientierte Drei-Zonen-Garten, insektenfreundlicher Gartenbau, essbare Wildpflanzen und eine Gewächshaus-Sprechstunde waren Themen der gut besuchten Vorträge, die in zwei Sälen parallel stattfanden. Zwei der Vorträge wurden sogar zweimal gehalten – und das hat sich gelohnt, denn alle Referentinnen und Referenten konnten sich über großen Zulauf freuen. Übrigens, drei der vier Vorträge wurden aufgezeichnet und können auch im Nachhinein gesehen werden. Sie finden die Links oben bei der Vorstellung der einzelnen Vorträge.

Ein gelungener Tag: Das SamenFest, das der Naturkosthersteller in Legau ausrichtet, ist längst eine etablierte Größe als Treffpunkt und Börse für das Bio-Gärtnern. Das zeigte auch die hohe Zahl der Besucher aus Nah und Fern. Ein hoffnungsfrohes Zeichen in einer Zeit der industrialisierten Landwirtschaft – für den grünen Daumen!

Facettenreiches Vortragsprogramm


Mein Garten summt! Insektengärten leicht gemacht

Simone Kern zeigte, wie Sie Ihren Garten zu einem Insektenparadies machen – und das ohne viel Aufwand

Die Ursachen dafür sind mannigfaltig, die Auswirkungen aber verheerend: Der Bestand an Insekten ist in Deutschland in 30 Jahren um drei Viertel zurückgegangen. Dabei brauchen wir die nützlichen (Garten-)Helfer für die Bestäubung vieler Pflanzen und für das natürliche Gleichgewicht in einem gesunden Garten.

„Zusammenhänge erkennen – Toleranz üben“


Wie verwandelt man seinen Garten in ein blütenreiches Paradies, in eine grüne Oase für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge? Landschaftsarchitektin Simone Kern erklärte anschaulich, warum besonders Wildbienen und Hummeln gute Bestäuber sind – und was sie in einer Landschaft oder einem Garten vorfinden müssen. Das Wichtigste in einem insektenfreundlichen Garten ist Vielfalt – ein Garten, der allen Bewohnern ein Anrecht einräumt und gleichzeitig, wie als Belohnung, alle Sinne des Menschen anspricht. In solch einem Ökosystem haben auch die oft verhassten Larven der Gespinstmotten oder ritzenbewohnende Wildpflanzen durchaus ihre gewisse Berechtigung. Wichtig: So viel wie möglich einheimische Pflanzen, das erlaubt auch vielen einheimischen Tierarten erst eine Existenz. Vereinzelt können, wo uns dienlich, auch ein paar nichteinheimische Pflanzen integriert werden.

„Was soll ich denn schneiden?“ – „So wenig wie möglich.“


Ob Land oder Stadt, ein insektenfreundlicher Garten lässt sich überall verwirklichen. Simone Kern hatte eine Reihe ganz konkreter Tipps für die Gartengestaltung im Gepäck. Und machte Mut: Denn Pflege und Erhalt eines insektenfreundlichen Garten ist kein Hexenwerk – und viel weniger arbeitsreich als ein Rasen.

Bücher von Simone Kern

Gärtnern mit essbaren Wildpflanzen – auf Balkon, Terrasse, im Garten und Park

Warum Wildpflanzen unsere ehrlichsten und gesündesten Lebensmittel sind, brachte Dr. Markus Strauß dem Publikum nahe

Mehr als zwei Millionen Jahre hat sich der Mensch vorwiegend von Wildpflanzen ernährt – ein unermesslich langer Zeitraum gegenüber unseren heutigen Ernährungsgewohnheiten. „Wir ernähren uns nicht mehr artgerecht“, ist sich Markus Strauß sicher. Denn Wildpflanzen – ob Kräuter, Stauden, Sträucher oder Bäume – sind unsere gehaltvollsten und ehrlichsten Lebensmittel. Zeit also, ihnen wieder mehr Platz in unserem Speisezettel einzuräumen!

"Essen Sie grüner, essen Sie bunter! Dann leben Sie gesünder."


Ob ein Gemüsekuchen aus Wildem Spinat, Heckenfrüchte für den winterlichen Immun-Kick, Smoothies mit Wildkräutern oder wilder Pesto – die Wildpflanzen bieten unzählige Möglichkeiten für reiches, schmackhaftes und gesundes Essen.

Diese "wilden" Pflanzen lassen sich auch in Gärten integrieren: Gärtnern für Faule mit 5- bis 10-mal mehr Vitalstoffen als in anderer Nahrung – ideal als Ergänzung zu Lebensmitteln aus hochwertigem biologischen Anbau. Sogar Balkon, Terrasse oder Fensterbank bieten Möglichkeiten, Wildpflanzen anzubauen, etwa die kleinwüchsige Aronia-Sorte "Hugin". Im Frühjahr erfreut sie mit ihren Blüten, im Sommer mit ihren gehaltvollen Früchten, im Herbst mit schönen Farben.

Die Vision Essbarer Wildpflanzenparks


Die Gründung von 4.000 Essbaren Wildpflanzenparks (Ewilpa), so rechnet Markus Strauß vor, würden einen Quantensprung in der Gesundheit mit sich bringen, das Bienensterben lösen, den Erholungsfaktor steigern … Sein Konzept von siedlungsnahen Parks, in denen sich Menschen kostenlos mit Wildpflanzen versorgen können, zeigt erste Früchte: In der Oberpfalz wurde bereits ein Ewilpa ins Leben gerufen. Und sicher ist: Mit seiner Stiftung Ewilpa hat Markus Strauß noch viel vor.

"Essen Sie jeden Tag etwas Wildes, dann werden auch Sie etwas 'wilder'" schloss Markus Strauß seinen Vortrag.

www.dr-strauss.net

Der Drei-Zonen-Garten – individuelle Oasen des Lebens!

"Machen ist wie Wollen, nur krasser" – mit dieser Motivation schuf Markus Gastl seinen beeindruckenden "Drei-Zonen-Garten"

Anfangs hatten ihn die Nachbarn als Spinner abgetan, 2018 aber gewann Markus Gastl die Bayerische Staatsmedaille für sein Gartenkonzept "hortus insectorum". Die Kraft der Motivation hat den Visionär an sein Ziel gebracht. "Machen ist wie Wollen, nur krasser" ist folgerichtig das Motto des Netzwerkes, das Markus Gastl aufgebaut hat. Inzwischen leben 5000 Menschen international das Konzept des Drei-Zonen-Gartens.

"Die Stubenfliege ist in der Natur genauso wichtig wie der Blauwal."


Ausgangspunkt war die Einsicht, wie sehr die Umweltzerstörung alles und damit auch den Menschen bedroht. Vernetzungen erkennen – das ist eine Gabe, die uns zu oft abgeht! Fakt ist, dass es schlecht aussieht.

Wussten Sie eigentlich, dass ein Bienenhotel – selbst wenn es richtig gebaut ist – nur einer Minderheit von Wildbienen nützt? Die Mehrheit braucht anderen Wohnraum, offene Sandflächen etwa. All diesen Arten geht es verdammt schlecht.

Und wer weiß schon, dass sich ein Viertel der 6.000 Käferarten von Totholz ernährt? In einem "aufgeräumten" Garten haben diese Arten – und alle Tiere, die von ihnen leben – keine Chance.

Und warum pflanzen wir in unseren Gärten 60 fremdländische Pflanzen aus dem Gartencenter an gegenüber 450 einheimischen Pflanzen?

"Es ist ganz wichtig, ins Tun zu kommen."


Mit dem Modell des Drei-Zonen-Gartens lassen sich nicht nur biologische Ernten einfahren, sondern auch ökologisch begründet die Vielfalt der einheimischen Tiere und Pflanzen schützen. Das System funktioniert auf jeder Fläche und endet in einem geschlossenen Nährstoffkreislauf. Drei Zonen machen das Terrain aus:
  • eine Pufferzone aus Hecken und Steinpyramiden, die das Gelände nach außen abschirmt;
  • eine Hot-Spot-Zone mit Magerwiesen, auf denen einheimische Pflanzen am besten gedeihen und Insekten zahlreiche Lebensräume finden;
  • und eine Ertragszone, auf derer reicher – und von der Mahd der Magerwiesen weiter aufgebauter – Erde in Permakultur angebaut wird.
So bleibt alles ein geschlossener Kreislauf.

Und wer nicht über Grund und Boden oder die Zeit für einen großen "hortus insectorum" verfügt? Der oder die kann einen Drei-Zonen-Garten auch auf dem Balkon einrichten und das System in drei Töpfen gestalten …

www.hortus-insectorum.de

Frisches Gemüse im Gewächshaus: das ganze Jahr über. Eine Sprechstunde

Wie Sie das ganze Jahr über Gemüse in Ihrem eigenen Gewächshaus ziehen, dazu gab Gärtnermeister Christian Herb in seiner "Sprechstunde" eine ganze Reihe von Tipps und Tricks: Vor- und Nachteile verschiedener Gewächshäuser (Glas, Folie, Polycarbonat, überdachtes Hochbeet); Lüftung und Lichteinfall; welche Pflanzen wann gut gedeihen; sinnvolle Fruchtfolgen; beliebte Partner unter den Pflanzen und optimale Abstände; die richtige Düngung (oft sind die Böden im Gewächshaus überdüngt); Bewässerung und Bodenbearbeitung; Schädlinge und Nützlinge; Krankheiten (1. Gebot: "lüften, lüften, lüften") …

Neben überraschenden Erkenntnissen – wie der, dass das Wachstum erst nach Weihnachten stoppt oder Hummeln zwar schlechtes Wetter ertragen, bei über 25 Grad aber ihre "Arbeit" einstellen und hitzefrei nehmen – blieb den Zuhörern reichlich Zeit für Fragen.



bio-kraeuter.de

Eindrücke von 2019


Spazieren Sie über die Saatgutbörse und haben Sie Teil an der herzlichen Atmosphäre auf dem Festival!
Jedes Essen zählt!

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